Der Pirat, der Mathematiker und der Feuerwerker

Titel: Der Pirat, der Mathematiker und der Feuerwerker
Autor: Dr. Lothar Schimmelpfennig
Inhalt: Der Artikel beschreibt die Zusammenhänge und Protagonisten die im Jahre 1588 beteiligt waren am Sieg der Engländer gegen die spanische Armada. Dies geschah durch technologische und strategische Errungenschaften.
Seiten: 20
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Die Weltgeschichte besteht aus einem Zusammenspiel vieler Kräfte, und nicht selten können scheinbare Nebensächlichkeiten überragende Bedeutung erhalten. Im Jahr 1588 gelang es den Engländern durch technologische und strategische Errungenschaften die weit überlegene spanische Armada zu schlagen und eine Invasion Englands durch die Spanier abzuwehren. Einiges dabei deutet auf den ersten großen Fall von Industriespionage hin.

In diesem Aufsatz spielen mehrere Feuerwerker eine geschichtlich tragende Rolle. Und so möchte ich das Interesse des Lesers wecken.

Damals hießen die Feuerwerker Büchsenmeister. Der Büchsenmeister (auch: Büchsenschütz) war Ende des Mittelalters ein wandernder Kriegshandwerker (franz. artificier, engl. artificer) der damals noch zünftisch organisierten Artillerie. Berühmte Feuerwerker ihrer Zeit waren Schlaun, Furttenbach und Vauban. Der Büchsenmeister stellte für die schweren Festungsgeschütze Rohre und Geschosse her, beherrschte das Richten und Laden, die Instandhaltung und Reparatur. Stückgießer, Büchsenschmiede und Pulvermacher arbeiteten unter seiner Anleitung. Im Feld werden die Büchsenmeister häufig als Schlangenschützen benannt.

Die Bezeichnung Armada stammt aus dem lateinischen und bedeutet „Die Bewaffnete“. Die spanische Kriegsflotte von 1588 wurde auch Grande y Felicísima Armada genannt, was „Große und größtes Glück habende Kriegsflotte“ heißt. Andere nannten sie Armada Invencible, die „Unbesiegbare“.

Die Lage

Astrologen und Wahrsager haben für das Jahr 1588 Chaos und Krieg prophezeit. Zwischen Italien und Flandern tobt der Konflikt, wer die schöneren Gemälde anfertigt. Im Jahr 1518 fordert Dr. Martin Luther den Papst heraus. Melanchthon erkennt im Jahr 1518, dass der vorletzte Zyklus der Offenbarung des Johannes sein Ende findet. Ab

diesem Zeitpunkt gerechnet erfüllt sich die Zahlenlehre der Offenbarung des Johannes. Sie lehrt, dass ab 1518 nur noch zehnmal sieben Jahre bleiben, gleich der Länge der babylonischen Gefangenschaft, bis sich das Siebente Siegel öffnet, also 1588! Es steht also das Jüngste Gericht bevor und der Antichrist würde bezwungen werden. Eine Sonnenfinsternis im Februar 1588, dazu eine Mondfinsternis im Frühjahr sowie eine zweite totale Mondfinsternis für den August vorausgesagt, lassen den Astrologen nur einen Schluss zu: „1000 Jahre nach der Jungfrau Geburt und nach weiteren 500 Jahren hält das achtundachtzigste Jahr für Spanien nur Düsteres und Unheilvolles bereit!“ Im Februar 1574, ergo zweimal sieben Jahre vor Februar 1588, erscheint ein Komet am Himmel. Das Jahr 1588 bringt Sturm, Regen und Hagel. In Schweden „regnet es Blut“, Madrid wird von „Monstergeburten überschwemmt“. Solche Schreckensmeldungen kursieren tatsächlich durch Europa!

Doch der wahre Krieg tobte zwischen den katholischen und protestantischen Herrschern. Es ist die Zeit der Reformation und Gegenreformation. Papst Pius V. exkommuniziert Königin Elisabeth I. von England, die Tochter Heinrichs VIII., der sich von der katholischen Kirche losgesagt hatte, und ruft zu ihrem Sturz auf. König Philipp II. von Spanien, selber erzkatholisch, macht es sich zur Lebensaufgabe, England zu erobern und Elisabeth I. abzusetzen. Die Invasion der britischen Inseln hätte deren gewaltsame Rekatholisierung bedeutet. Ein spanischer Sieg wäre auch ein Sieg der Gegenreformation gewesen, der möglicherweise den Zusammenbruch der gesamten Reformation eingeleitet hätte. Der Anspruch der „allein selig machenden Kirche“ war hier auch von Bedeutung. Papst Alexander VI hatte 1493 mit einer päpstlichen Bulle die Welt außerhalb Europas in zwei Hälften geteilt. Der westliche Teil gehörte Spanien, der östliche Portugal. England war obendrein durch Bürgerkriege und den Krieg mit Schottland geschwächt. Die andere Großmacht Schweden hatte ihre Ziele im Osten und in Norddeutschland.

Die Protagonisten

Philipp II. (1527 – 1598) ist König von Spanien, Portugal, den amerikanischen spanischen Kolonien, der Niederlande, beider Siziliens, Sardiniens, der Freigrafschaft Burgund, des Erzherzogtums Luxemburg, des Herzogtums Mailand, und der Insel Leyte, eine Bezeichnung, die zu seinen Lebzeiten später auf den gesamten Inselstaat der Philippinen ausgeweitet wurde. Dieser eine Protagonist beherrscht die Welt. Philipp II. ist sogar mit Maria Tudor (Bloody Mary) verheiratet. Es wird aber kein rechtmäßiger Erbe geboren. Dennoch erhebt Philipp Anspruch auf England.

AdmiralSidonia

Der spanische Admiral Herzog von Medina Sidonia

Elisabeth I. (1533 – 1603) ist die andere Protagonistin. Sie ist Königin von England, Wales und Irland, und den amerikanischen englischen Kolonien, wovon eine, nämlich Virginia, nach ihr benannt wurde. Nur Holland ist ihr Verbündeter. Die Unterlegenheit Englands scheint vollkommen.

Elisabeth_I_EngKönigin Elisabeth I. ER von England

Die Frage

 Als der Sommer 1588 kommt, laufen 130 Schiffe der spanischen Armada auf die Küste Englands zu. Ziel der Spanier ist es, ein Invasionsheer nach England überzusetzen und dem verhassten Feind den sicheren Todesstoß zu versetzen. Im Ärmelkanal tobt die größte Seeschlacht, die die Welt bis dahin erlebt hatte. Die Engländer scheinen der Übermacht hoffnungslos unterlegen. Doch die Schlacht endet für die Spanier in einem Desaster. Wie kam es dazu? Da kommen Pirat, der Mathematiker und der Feuerwerker ins Spiel! Denn: man braucht Geld, bessere Schiffe und neue Kanonen!

Der Pirat Francis Drake / Das Geld

England weiß von der Bedrohung. Die Spanier sind reich, ihre Kolonien ausgebaut, die Flotte riesig. Englands Kassen sind leer. Der Ausbau der Flotte wird nachlässig geführt. Ohne Geld kann man der geballten spanischen Seemacht nichts entgegensetzen. Für die Beschaffung dieses Kapitals ist der Pirat Francis Drake (1540 – 1596) „federführend“. Zusammen mit seinen Piratenkollegen Charles Howard (1536 – 1624) und Martin Frobisher (1535 – 1594) plündert er die großen Silberschiffe der spanischen Armada, die aus Westindien (Amerika) kamen. Das bringt diesem räuberischen Kleeblatt den Adelsstand ein. Das Geld ist da.

Der Mathematiker Matthew Baker / Die Schiffe

Zum englischen Erfolgskonzept für die abzusehenden kriegerischen Auseinandersetzungen mit Spanien gehören schnelle, wendige Schiffe, welche die großen spanischen Galeonen ausmanövrieren können. Zur Armada gehören auch sechs venezianische Galeassen, die über je neun schwere Buggeschütze verfügen. Diese hatten die Seeschlacht von Lepanto entschieden. Für die damalige Zeit sind es echte Dreadnoughts. Matthew Baker (1530 – 1613) ist Professor der Mathematik in Cambridge, ein Multigenie. Er ist königlicher Schiffbaumeister (Master Shipwright). Er gilt als der erste Schiffbaumeister, der exakte Berechnungen und Pläne erstellte und damit eine „Fließbandproduktion“ ermöglichte. Sein Hauptwerk „Fragments of Ancient Shipwrightery“ (1586) gilt wegweisend für den Schiffbau seiner Zeit und der folgenden 200 Jahre. Er orientiert sich nicht an mündlichen Überlieferungen. Er orientiert sich an den Prinzipien der Natur, simuliert Strömungsverhältnisse mit Modellen und übersetzt diese Ergebnisse mit Hilfe der Mathematik in exakte Baupläne. Ein Beispiel dazu: bislang konstruiert man den Bug eines Kriegsschiffes nach dem Kopf eines Hechtes. Das ist falsch. Denn der Hecht ist ein Süßwasserfisch! Baker erkennt den Kopf der Salzwassermakrele mit der runden Wölbung als die richtige Form und baute entsprechend. Schon dadurch werden die Schiffe schneller und manövrierfähiger. Heutzutage nennt man diese Wissenschaft Bionik.

Baker entwickelt auch das Partinsonverfahren weiter, an dem auch der italienische Magier und Mathematiker Cardano (1501 – 1576) (Achtung: die Kardanische Aufhängung, die Kardanwelle) teilhatte. Das Partinsonverfahren hilft, Form und Größe eines Schiffsrumpfs von vorn nach achtern zu berechnen, nachdem man den Hauptspant mittschiffs, den Kiel sowie Vorder- und Achtersteven in Länge und Form festgelegt und gezeichnet hat. Um dabei keine Fehler zu machen, wird ein bestimmtes Verzerrungsverfahren, das sogenannte Partisondiagramm, benutzt. Das sind Linien, die von einem Punkt ausstrahlen und auf eine senkrechte Gerade treffen, die sie in bestimmten Verhältnissen schneiden. An dieser Schablone kann man mit dem Zirkel die Maße abgreifen, in denen ein bestimmter Spant, z. B. der fünfte oder der neunte, vom Hauptspant beziehungsweise der Mittschiffswrange abzuweichen hat. Also Schluss mit der Intuition, her mit der exakten Wissenschaft! Wozu man heute aufwändige Computerprogramme braucht, reichte damals Baker’s Genie und Rechenkunst. Er zieht Drake, Howard und Frobisher zu Rate. Ergebnis sind auch der Bau der
großen Schlachtschiffe HMS Vanguard, HMS Merhonour und HMS Revenge (1577). Aus der Zusammenarbeit mit den drei Kaperkapitänen entwickelt er eine Galeone mit einer hohen Wendigkeit, die fast doppelt so schnell sind wie die Schiffe der Armada.

Der Feuerwerker Hans Christof Löffler (1530 – 1595) / Die Kanonen

Das Problem des Schiffsbaus ist gelöst. Nun geht es noch um die Bewaffnung. Bis zu dieser Zeit gab es keinen seriellen Bau von Kanonen; jede war ein Einzelstück. Und das bringt ein Problem mit sich: jede Kanone hat ihre eigene Munition, die nur auf diese Kanone passt. Eine Galeone mit jeseits 40 Kanonen hat für jedes Stück die separate Munition. Hatte man sich auf Feuerluv leer geschossen, nutzt es nichts, die Munition von Feuerlee herüber zu holen. Für die kleinen englischen Galeonen bedeutet dies eine sehr geringe Kampfbeladung.

Doch da gibt es in Innsbruck / Tirol die Gießerfamilie Löffler. Als Glockenbauer ist sie sehr bekannt. Aber man kennt sich auch in der Wehrtechnik aus. Die Tiroler Berge liefern alle nötigen Erze. Innsbruck ist das Zentrum der Waffentechnik, die Löfflers die Krupps des 16. Jahrhunderts. Der Stammvater Peter goss für Kaiser Maximilian I. das 80-Pfünder-Geschütz „Frau Humbserin von Hennspuhl“ mit 40 Kaliberlängen. Der Sohn Hans Christof führt eine übersichtliche Einteilung der Geschützgattungen ein. Zu jeder Geschützgattung entwickelt er eine spezielle Fertigungstechnik. Ganz detailliert werden Angaben gemacht zu Mischungen, Temperaturen, Zuschlägen, Abstichen, Gussformen und anderen Parametern. So entsteht die serielle Herstellung von Geschützen mit einheitlichem Kaliber und somit einheitlicher Munition. Diese Geschütze aus Bronze besitzen eine Präzision, Reichweite und Durchschlagskraft, die ihren Besitzern eine enorme Überlegenheit liefert. Die Löffler-Kanone ist z. B. ein 40-Pfünder-Geschütz mit 18,1 cm Kaliber, eine Feldschlange. Die V0 derer Geschosse beträgt über 400 m/s, die Reichweite über 400 m. Entsprechend hoch ist der Rasanzbereich (V0 + 10 %), also die Kernschußweite, sowie die Durchschlagskraft (m.v = Impuls). Zum Vergleich: eine Eisenkanone oder herkömmliche Bronzekanone dieses Kalibers kann erst nach 20 Minuten neu geladen werden. Die Löffler-Kanone schießt alle fünf Minuten. Die Reichweite der Eisenkanonen beträgt nur 120 m. Die Geheimnisse um diese Waffen werden streng behütet. Doch auf einmal werden auch in England Kanonen nach der Technik gegossen, wie sie bis dahin nur von Löffler beherrscht wurde. Wie ist es den
Engländern gelungen, an das Wissen dieser Technologie zu gelangen?

Einschub: Die Feldschlange

Die Feldschlange, auch Kolubrine von lat. colubrinus = schlangenartig, engl. culverine, franz. couleuvrine, türk. kolomborna, ist ein Kanonentyp des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Feldschlangen haben ein im Vergleich zu Belagerungsgeschützen kleines Kaliber von 5,7“ = 145 mm. Der Lauf ist jedoch mit 40 Kaliberlängen = 5,80 m sehr lang. Treffgenauigkeit, Reichweite und Durchschlagskraft sind sehr hoch. Feldschlangen mit noch größerer Kaliberlänge wurden Bastard-Feldschlangen (von franz. batarde) genannt. Es gab Geschütze mit 70 Kaliberlängen. Mittlere Feldschlangen hießen auch Falken oder Falkaunen, die leichteren Falkonetts. Feldschlangen werden gewöhnlich auf einer zweirädrigen Lafette montiert, die nur von einem Pferd gezogen wird. Man erkennt die hohe Beweglichkeit. Auf Kriegsschiffen ist die Lafette zweiachsig mit Flaschenzügen zur Aufnahme der Rückstoßkraft. Die Löffler-Feldschlangen wurden nur aus Bronze gegossen. Zwei Persönlichkeiten der Literatur sind Opfer der Feldschlangen geworden: Goethes „Götz von Berlichingen“ und der „Major Tellheim“ aus der „Minna von Barnhelm“ von Ephraim Lessing. Beide verloren einen Arm.

Feldschlange

Eine Feldschlange im Heeresdienst. Leider gibt es keine Zeichnungen / Bilder von „See-Feldschlangen“. Doch an dieser Waffe erkennt man die „Leichtigkeit des Todes“!

Der Spion

 Elisabeths Experten hören von diesem Christof Löffler und wissen um die Qualität seiner Geschütze. Doch: die Familie Löffler ist streng katholisch. Von Kaiser Maximilian war sie geadelt worden. Protestanten oder gar Anglikaner, die dem Papst den Gehorsam verweigern, eben Feinde der katholischen Kirche, mit Kriege entscheidenden Waffen zu versorgen, ist unmöglich. Man gehört dem Hause Habsburg an und ist dem Papst treu. Ja, es würde für die Familie schlimmste Konsequenzen bedeuten. Aber es gelingt dem Geheimdienst Ihrer Majestät Elisabeth I – ER, einen Gießmeister aus dem familiären Umfeld der Löfflers abzuwerben und so in den Besitz der Pläne zu gelangen. Der Chef des Geheimdienstes Ihrer Majestät ist der Erste Staatsekretär der Königin, Sir Francis Walsingham (1532 – 1590). Es gelingt über sein Spionagenetz, das eine Zentrale in Venedig hat. Venedig und seine mächtigen Familien wie die Medici waren für Wirtschafts- und Industriespionage bekannt. So wurde auch von dort versucht, den Geographen Martin Waldseemüller (1470 – 1522), genannt Hylocomylos, auszuspionieren. Auch Gerhard Krämer, genannt Gerardus Mercator (1512 – 1594, Mercator-Karte) bedient sich z. B. schottischer Spione, um englische Fahrwasser auszukundschaften. Die Seekarten, die daraus entstehen, sind den Spaniern sehr kostbar. In dem Roman „Der Meister des siebten Siegels“ von Soyener / Mondfeld ist der Spion bei den Löfflers ein Neffe der Familie namens Adam Dreyling. Tatsächlich war es ein
Mitglied der Bergbau – und Schmelzerfamilie Dreyling aus Schwaz in Tirol, der in England Löffler-Kanonen goss und sie auch noch verbesserte. Es bestand eine familiäre Bindung zwischen den Familien Löffler und Dreyling. Wie und warum es zu diesem Verrat kam, will uns die Geschichte nicht offenbaren. Gesichert ist jedoch, dass Sir Francis Walsingham über Venedig die Geschicke des „Verräters“ lenkte. Nun war es vollbracht: England verfügte über eine schnellere und wendigere Galeone mit einer weit überlegenen Feuerkraft!

Der Aufmarsch

Im Jahre 1588 ist es dann wirklich so weit: Philipp II. schickt seine riesige Armada nach England. Es sind 130 Schiffe. Die Kernflotte besteht aus 64 Galeonen. Das sind mehrdeckige Segelschiffe mit drei Masten, hohen Aufbauten, jeseits acht bis zehn großkalibrigen Eisenkanonen und zwei nach hinten gerichteten großen Kanonen im Heck. Sie sind sehr topplastig, was Schwierigkeiten beim Manövrieren bedeutet. Je nach Schiffsgröße sind 100 bis 500 Mann an Bord. Hinzu kommen vier veraltete Galeassen mit zwei Decks für 300 Mann Besatzung, einigen Geschützen auf dem Oberdeck und 300 Ruderern auf dem Unterdeck (Sklaven, Sträflinge, Kriegsgefangene). Den ältesten Teil der Flotte stellen vier Galeeren mit 300 Mann Besatzung und 150 Soldaten für den Enterkampf dar. Hinzu kommen Versorgungsschiffe und Einheiten für die Landungsoperationen. Die Gesamttonnage beträgt ca. 70.000 Tonnen! Die Tonnage der englischen Flotte betrug knapp die Hälfte.

Die Kriegsschiffe der Spanier verfügen über 2.431 Kanonen, deren schwere Kaliber (934 Stück) alle aus Eisen gegossen sind! Hinzu kommen etwa 7.000 Arkebusen und 1.000 Musketen. Der Munitionsvorrat für die Kanonen beträgt ca. 125.000 Schuss. 7.000 Seeleute und 20.000 Soldaten sind an Bord. Sie werden begleitet von der Infantería de Marina, der ältesten bestehenden Marineinfanterie der Welt. Sie wurde am 27. Februar 1537 von König Karl I. von Spanien, bekannt als Kaiser Karl V. ins Leben gerufen und als Companías Viejas de Mar de Nápoles bezeichnet. Diese wurden anfangs nur den Galeeren im Mittelmeer als Einheiten für Nahgefechte zugeordnet. Philipp II. organisierte sie zu Landungsstreitkräften um.

Armada_halbmond

Die Armada und ihre halbmondförmige Aufstellung

Wie war es nun um die Kampfkraft der spanischen Schlachtschiffe bestellt? Als Beispiel wird hier aufgeführt die Nuestra Senora del Rosario, das Flaggschiff des andalusischen Geschwaders unter Don Pedro de Valdés. Sie verdrängt 1.150 ts. Ein Gigant. Sie gilt hinsichtlich ihrer Kampfkraft als eine der stärksten spanischen Galeonen. Sie wurde von Francis Drake aufgebracht. Auf den Batteriedecks stehen insgesamt 41 Kanonen. Alle Rohre sind aus Eisen!

Das sind u. a. drei Halbe-Kanonen als 30-Pfünder, sechs Cannon-pedro (äußerst leichte 24- Pfünder), ein 15-Pfünder-Basilisk und nur vier lange 18-Pfünder-Feldschlangen. Ebenso überraschend: nur eine einzige 9-Pfünder-Halbschlange ist an Bord. Eine gefährliche artilleristische Lücke. Weitere sechs 6-Pfünder-Sakers und mehr als 40 Relingsgeschütze jeder Länge und Kaliberstärke nützen nur im Enterkampf und sind für Gefechte auf Entfernung ungeeignet. Die Bewaffnung ist ein Sammelsurium verschiedenster Kaliber verschiedenster Hersteller, entstanden aus dem Notstand, alles zu armieren, was zu armieren ist.

Francis Drake’s Flaggschiff Revenge verdrängt 600 ts. Damit hat er die Rosario aufgebracht. Die Unterschiede sind gravierend. Die Feuerkraft der Rosario mit weitreichenden 18- und 9- Pfünder-Feldschlangen ist mit fünf Rohren schwach. Die Revenge verfügt über jeweils zwölf Kanonen dieser Kaliber, also 24. Die Revenge ist zu 63 % mit Feldschlangen bestückt, die Rosario nur zu 24 %. Das Feldschlangenverhältnis bei der Galeonen Bear, Elizabeth Jonas, Triumph und Victory (nicht Nelson’s Victory von Trafalgar!) liegt sogar bei 73 %. Und bei den neuesten Baker-Konstruktionen Bull, Tiger oder Rainbow sind es volle 100 %. Dazu kommt die dreifach höhere Feuergeschwindigkeit. Somit können die englischen Schiffe die feindlichen Einheiten unbeschadet auf lange Entfernung bekämpfen und die Feuerkraft des Gegners niedrig halten.

Ein weiterer Unterschied: die Rosario führt nur drei 30-Pfünder an Bord und keine 42- Pfünder, von denen die Revenge gleich vier an Bord hat, große Kaliber für den finalen coup de grace. Innerhalb eines Abstandes bis 300 m hätte die Rosario ihre 24-Pfünder einsetzen können, darüber hinaus nicht. Sogar unter 200 m Distanz wäre die Revenge im Vorteil gewesen. Dafür spricht auch das deutlich höhere englische Breitseitengewicht.

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Eine spanische Galeasse: hochbordig, topplastig, falsch bewaffnet

Die Spanier haben der Taktik des Distanzgefechtes nichts entgegenzusetzen. Doch ein anderes Problem bedrängt die Engländer: der Munitionsverbrauch und –mangel. Für die Landschlacht verlangten die kaiserlichen Feuerwerker für sieben Feldschlangen 16.000 Eisenkugeln und für jede große, schwere Kartaune 500 Eisenkugeln. Das sollte für 15 Gefechtstage reichen. Für die 153 Feldschlangen und 344 Halbschlangen planten die Engländer 20 Kugeln pro Rohr für die Entscheidungsschlacht. Schon am Donnerstag, den 25. Juli 1588, nach dem ersten rencontre mit der Armada, waren diese Vorräte beinahe verbraucht. Zwar hatten die Engländer bis dahin kein einziges Schiff verloren, doch die Flotte ist wegen Munitionsmangels quasi kampfunfähig. Um diesen Mangel auszugleichen, wird an Land Munition requiriert und so die Befestigungsanlagen gegen eine Landung der Spanier ihrer Verteidigungsfähigkeit beraubt. Landen die Spanier, sind die Engländer wehrlos. Alles hängt von der Flotte ab.

Die Armada soll in den Niederlanden eine spanische Invasionsarmee aufnehmen, schützen und ihre Überfahrt nach England in unbewaffneten Transportschiffen schützen. Die eigentliche Invasionsstreitmacht (neben der legendären spanischen Marineinfanterie) soll aus 35.000 Soldaten bestehen. Der Führer dieses Heeres ist der königliche Statthalter der Niederlande, Alexandro Farnese (1545 – 1592), Herzog von Parma und Plasencia. Sein Truppenaufgebot: 6.000 Spanier, 8.000 Deutsche, 7.000 Wallonen, 3.000 Italiener, 1.000 Iren und 16 Kompanien zu Pferd.

Alexandro_Farnese

Alexandro Farnese, der Herzog von Parma und Statthalter der Niederlande

Eine gewaltige Macht für das 16. Jahrhundert! Doch der Herzog hat Probleme, und die kennen die Engländer auch:

  1. Fast die gesamte niederländische Küste mit den ihr vorgelagerten Sandbänken ist zu flach für die großen spanischen Galeonen, Karacken und Galeassen. Diese aber sollen die Invasionsflotte sichern.
  2.  Der Herzog von Parma verfügt nur über einen einzigen Hafen mit genügender Grösse und Wassertiefe, Antwerpen. Der wird jedoch von den aufständischen
    protestantischen See-Geusen blockiert.
  3. Der Herzog hat zwar in den zahlreichen Kanälen des Landes Lastkähne bereitstellen lassen, die seine Truppen zu den Schiffen der Armada übersetzen sollen. Die Kähne taugen zur Not für den Transport, doch die Schiffe sind so niedrig, dass sie allein von den englischen Beibooten versenkt werden können. Einen Sturm können sie nicht überstehen. Zudem wird die Einschiffung der Truppen mindestens eine Woche dauern.
  4. Mangels eines günstigen Hafens in den spanischen Niederlanden muss der Herzog von Medina Sidonia seine Armada auf der Reede von Calais ankern lassen, wo sie der Witterung ungeschützt ausgesetzt ist.
  5. Calais ist französisch, der nächste niederländische Hafen, Dünkirchen, liegt 20 Meilen nordöstlich. Der Herzog von Parma wird seine Truppen, so er sie gegen den
    Widerstand der Geusen überhaupt aus den Kanälen herausbringt, über französisches Territorium führen müssen, um die Schiffe des Herzogs von Medina Sidonia zu erreichen.
  6. Die Verbindung und der Informationsfluss zwischen dem Herzog von Parma und dem Herzog von Medina Sidonia ist denkbar schlecht. So erfährt der Herzog von Parma erst vom Kommen der Armada zu dem Zeitpunkt, als diese bereits in den Kanal einläuft.
  7. Nach Agentenberichten ist der Zustand auf den spanischen Schiffen miserabel. Der Herzog von Medina Sidonia hat den Herzog von Parma dringend um Kanonenkugeln und 40 bis 50 flachgehende bewaffnete Flieboote (kleine bewaffnete Versorger) zur Unterstützung gebeten. Die Kugeln wird er frühestens zusammen mit den Landungstruppen erhalten, Flieboote nicht. Der Herzog hat keine Fliebotte.
  8. Der französische Gouverneur von Calais, Monsieur Giraud de Mauleon, Seigneur de Gourdan, hat zwar erlaubt, den Spaniern Proviant und Wasser zu verkaufen, jedoch keine Kugeln.

Elisabeths Flotte steht bereit. Sie ist wesentlich kleiner. Die Gesamttonnage beträgt ca. 30.000 Tonnen. Acht englischen Schiffen mit 600 Tonnen und mehr stehen 51 spanische Schiffe gegenüber. Die Zahl der Kanonen mit mehr als vier Pfund Kugelgewicht beträgt 1.124. Sie hat jedoch die neuen Schiffe mit neuen präzisen Kanonen. Die holländische Flotte, die mit den Spaniern im Krieg steht, stößt hinzu. Die Geusen, die gegen die spanische Besatzer in Holland kämpfen, machen den Spaniern das Leben schwer. Zu Wasser sind es die See- Geusen. Mit Versorgern, Brandern und Hulkern (eine Art von Leichtern) sind es 100 Einheiten. Ihre Strategie ist nicht das Entern der hochbordigen gegnerischen Schiffe. Wegen ihrer größeren Geschwindigkeit, Wendigkeit und Reichweite der Kanonen wollen sie den Gegner aus der Distanz im Artilleriegefecht vernichten. Der englische Oberbefehlshaber ist der Lord High Admiral Charles Howard, I. Earl of Nottingham. Seine Geschwaderkommandeure sind John Hawkins (1532 – 1595), Richard Grenville (1542 – 1591), Martin Frobisher, Lord Henry Seymour, Sir William Wynter (1530 – 1589) und Sir Francis Drake.

Die Schlacht

Die Armada fährt in der Formation eines gigantischen Halbmondes. Rechts (im Osten) segelt das Biscaya-Geschwader mit vierzehn Schiffen unter Don Juan Martínez de Recalde. Davon backbord kreuzt das andalusische Geschwader mit elf Schiffen unter Don Pedro de Valdés. Die Mitte halten zwölf Schiffe des portugiesischen Geschwaders unter dem persönlichen Oberkommando des Herzogs von Medina Sidonia und sechzehn Schiffe des kastilischen Geschwaders unter Don Diego Flores de Valdés. Bei ihnen befinden sich auch die vier schweren Galeassen aus Neapel unter Don Hugo de Moncada. Links davon ist das nächste das Giupúzcoca-Geschwader mit vierzehn Schiffen unter Don Miguel de Oquendo und ganz außen die zehn Schiffe des Levante-Geschwaders unter Don Martín de Bertendona. Diese Geschwader decken die Versorgungsflotte ab: 23 große Urcas unter dem Befehl von Don Juan Gomez de Medina und 22 kleinere Patachas und Zabras unter Don Antonio Hurtado de Mendoza.

Marschweg_Amada

Der Marschweg der Armada

Kaum, dass die Armada Lissabon am 28. Mai 1588 verlässt, melden die Schiffe verdorbene Lebensmittel und Trinkwasser. Hier zahlt sich nun Drake’s Unternehmung gegen die spanische und portugiesische Küste 1587 aus. Seine Mannschaft findet 1.700 Tonnen bereits fertiger und getrockneter Fassdauben. Aus denen hätte man Fässer für 30.000 Tonnen Lebensmittel, Wasser oder Pulver herstellen können. Allein dadurch verzögerte sich das Auslaufen der Armada um Monate. Nun muss man frisches Holz für die Fässer benutzen. Die Fässer sind undicht und unsauber.

Da sich die Flotte dem langsamsten Schiff anpassen muß, wird das nur 160 Seemeilen entfernte Kap Finistere (lat. Finis terrae = Ende der Welt) bei La Coruna erst nach dreizehn Tagen erreicht. Jedoch können weitere Schiffe zur Armada aufschließen. In der Biskaya kommt ein Sturm auf. Die Flotte zerstreut sich. Vier Schiffe sinken. Am 19. Juni 1588 entscheidet die Admiralität, La Coruna anzulaufen, um frische Lebensmittel zu bunkern und die Flotte zu sammeln. Der Oberbefehlshaber Herzog von Medina Sidonia (1549 – 1615) hält sich für völlig ungeeignet und bittet um Entlassung aus dem Oberbefehl. Der König lehnt ab. Erst am 21. Juli 1588 geht die Fahrt weiter.

Das Ziel der Engländer ist, eine Vereinigung der Armada mit dem Invasionsheer um jeden Preis zu verhindern. Es gilt, die Armada in eine Situation zu bringen, in der sie weder die in den Niederlanden festsitzenden Invasionstruppen schützen noch selber erfolgreich Englands Küsten erreichten kann.

Am 31. Juli 1588 erscheint die Armada im Ärmelkanal. Die erste neuzeitliche Seeschlacht beginnt mit mittelalterlichen Zeremonien. Der Herzog von Medina Sidonia lässt die „Heilige Flagge“ hissen. Lordadmiral Howard schickt ihm eine persönliche Kurierschrift, mit der er ihn zum Kampf auffordert. Die Engländer lassen bei Plymouth die Spanier passieren und verfolgen sie. Das schneidet den Spaniern den Rückzugsweg und den Versorgungsweg aus Spanien ab.

Es kommt zu Gefechten mit den Engländern. Die Spanier halten ihre halbmondförmige Schlachtordnung ein. Die vier schwerfälligen Galeeren aus der Seeschlacht von Lepanto 1571 bilden das Zentrum und bestimmen das Tempo. Die Engländer lassen es nicht auf einen Enterkampf ankommen. Die spanische Schlachtordnung ist nicht aufzubrechen. Die Engländer nutzen ihre überlegene Artillerie, um dem Gegner Schaden zuzufügen. Wegen der hervorragenden spanischen Disziplin, die Formation trotz täglicher Angriffe fast immer geschlossen zu halten, richten die englischen Angriffe kaum Schaden an. Jedoch ist der Munitionsverbrauch sehr hoch.

Die Spanier schaden sich selbst mehr als dem Gegner. Als sich die Flotte nach einem Angriff neu formiert, rammt die Leitgaleere des andalusischen Geschwaders Nuestra Senora del Rosario ein anderes Schiff und wird schwer beschädigt. Minuten später explodiert auf der San Salvador die Pulverkammer. Das Schiff verschwindet. Drake versucht nachts, die Rosario zu kapern, was die englische Flotte in höchste Gefahr bringt. Er löscht nämlich für diesen coup die Positionslichter seiner Revenge und Howard hält auf der Ark die Positionslichter des feindlichen Flottenflaggschiffs San Martin für die richtigen. Mit viel Glück und Können gelingt die Flucht zurück in die eigenen Reihen. Bei Tage gelingt es Drake dann doch , mit der Revenge und der Roebuck, die Rosario aufzubringen. Die Prise ist gewaltig. Allein die Kriegskasse enthält 55.000 Golddukaten. Drake wird für seinen gefährlichen Ausflug nicht zur Rechenschaft gezogen.

In den ersten Augusttagen kommt es zu weiteren kleinen Gefechten mit geringem Erfolg und hohem Munitionsverbrauch. Nur die Spanier verlieren eben die Nuestra Senora del Rosario und die San Salvador.

Im Kanal

In der Straße von Dover stößt Lord Seymours Verband zur englischen Flotte. Er hatte bisher mit 35 Schiffen die Invasionsflotte des Herzogs von Parma in Schach gehalten. Diese machte aber keine Anstalten auszulaufen. So verstärken seine ausgeruhten und noch voll bewaffneten Schiffe die englische Flotte.

Der Herzog von Parma hat die Invasion schon abgeschrieben. Es war ihm nicht gelungen, ausreichend Truppen zu rekrutieren. Ihm fehlte auch der geeignete Schiffsraum für den Transport. Kanonenboote zur Deckung standen nur in geringer Zahl zur Verfügung. Und diese sollte er nun auch noch an die Armada abgeben. Wegen des zu großen Tiefgangs können ihn die spanischen Schiffe nicht schützen. Im Gegensatz können die Engländer angreifen.

Sein gesamtes Invasionsheer ist in schlechtem Zustand. Er kämpft mit materiellen Schwierigkeiten und kann monatelang keinen Sold zahlen. Die Soldaten murren und
plündern. Sein Heer war im September 1587 einsatzbereit. Viel zu früh! In der folgenden kalten Jahreszeit erkranken viele Südländer. Das kalte Wetter und die Inaktivität demoralisiert das Heer. Viele Soldaten sterben oder desertieren. Im Frühjahr 1588 blieben von den 35.000 einsatzfähigen Männern nur 17.000 übrig.

Trotzdem erreicht die Armada die Niederlande. Die Koordination funktioniert nicht. Wegen der feindlichen Blockade durch die Geusen kann die Invasionsarmee nicht einschiffen. Munition kann nicht geliefert werden. Kanonenboote zur Unterstützung der Armada gibt es nicht. Der Mangel an Pulver und Kanonenkugeln wird bedrohlich.

Einschub: Die Geusen

Geusen (niederländisch: geuzen) ist der Name, den sich die niederländischen Freiheitskämpfer während des Achtzigjährigen Krieges (1568 – 1648) geben. Der Begriff
Geusen leitet sich aus dem französischen ort gueux = Bettler ab. Niederländische protestantische Adlige baten die spanische Statthalterin Margarethe von Parma um
Beendigung der Inquisition und die Wiederherstellung ihrer ständischen Freiheiten. Der Graf Charles de Berlaymont soll der Statthalterin gesagt haben: „Sie sollte sich nicht vor einem Haufen Bettler (gueux) fürchten“. Als Zeichen ihres Widerstandes trugen daraufhin die Mitglieder des Widerstandsbundes Bettlergewänder und nannten sich Geusen. Die im Land kämpfenden Geusen waren die Buschgeusen, die auf dem Meer die Seegeusen.

Der Hafen von Calais wird angelaufen, die Schiffe ankern auf Reede. Man erhofft sich Nachschub. Schließlich ist das innenpolitisch zerrissene Frankreich Spanien offiziell
freundlich gesinnt. Die Frage ist, ob der Gouverneur eher dem französischen protestantischen König Heinrich IV. zugeneigt ist oder seinem von Spanien unterstützten katholischen Gegenspieler, dem sich auf dem Höhepunkt seiner Macht befindlichen Herzog von Guise, welcher kurz vorher den König aus Paris verjagt hatte. Herzog von Medina Sidonia bittet um Munition und Versorgungsgüter. Seine Bitte wird beantwortet: die Franzosen schicken ihm einen Korb mit Früchten. Später behaupten sie, einem Lebensmitteleinkauf zugestimmt zu haben.

Admiral Howard’s Aktionen erzielen bis dahin keine nennenswerten Erfolg. Deshalb wird die Schlachtflotte umstrukturiert. Es entstehen vier selbstständige Kampfgruppen. Sie werden von Howard, Drake, Frobisher und Hawkins befehligt. So wird die Flotte noch beweglicher und kann besser auf die spanischen Aktivitäten reagieren. Dringende Nachschubforderungen gehen an die Heimatbasen. Auch bei den Engländern wird die Munition knapp.

In der Nacht zum 7. August 1588 greift die englische Flotte die vor Calais ankernde Armada mit Brandern an!

Einschub: Der Feuerwerker Federico Giambelli und die Höllenmaschinen

Der italienische Feuerwerker Federico Giambelli (geb. 1530) entwickelt 1584 in Antwerpen eine Höllenmaschine, die zur Verteidigung Antwerpens gegen die Spanier zum Einsatz kommen soll. Sie werden Brander genannt. Kleine Boote werden mit ca. drei Tonnen Schießpulver gefüllt. Man lässt sie gegen die feindlichen Schiffe treiben. Die Boote haben mechanische Kontaktzünder mit pyrotechnischer Auslösung. Hinzu kommen Selbstschussautomaten und jede Menge Metallschrott zwecks Splitterwirkung sowie brennbares Werg, Teer und Öl. 1585 ließ Giambelli drei dieser Brander gegen eine Schiffbrücke der Spanier in Antwerpen treiben. Die Brücke wurde zerstört, 800 Spanier kamen ums Leben.

 Seeschlacht_Gravelines

Die Seeschlacht von Gravelines: Brander, englische Galeonen und Sturm, der Anfang vom Ende

Gegen die auf Reede von Calais ankernde Armada sollen acht Brander eingesetzt werden, u. a. die Thomas Drake (200 ts), die Hope Hopkins (200 ts), die Bark Bond (150 ts) und die Bark Talbot (200 ts). Allein das Erscheinen dieser Brander, von denen die Spanier nicht wissen, wie sie geladen waren, würde für Schrecken und Verwirrung sorgen. Diese Höllenmaschinen sind nicht mehr durch Enterung oder Schüsse gegen die Masten aus Nahdistanz zu bekämpfen, da ständige Explosionen und weitreichender Eisenregen eine Annäherung unmöglich machte.

Die Spanier kappen die Ankertaue und verlassen den Hafen überstürzt und fluchtartig. In der anschließenden Seeschlacht von Gravelines kämpfen sie erstmals ohne Schlachtordnung. Die in schlagkräftigen Geschwadern agierenden Engländer können sich so zu mehreren auf ein Schiff konzentrieren. Obwohl es zu mehreren Versenkungen kommt, bleibt der große Erfolg wegen Munitionsmangel aus. Die Taktik der kleinen selbstständigen Geschwader bewährt sich völlig. Schwerpunkte können gesetzt und gegnerische Einheiten isoliert werden. Ein aufkommender Sturm beendet die Schlacht und rettet viele angeschlagene Schiffe. Die Engländer müssen sich wegen des Sturms zurückziehen.

Mehr als 2.000 Spanier und einige hundert Engländer verlieren ihr Leben. Die Engländer haben ihr Ziel erreicht. Die Vereinigung der Armada mit dem Heer und die Invasion Englands wird verhindert. Ohne den aufziehenden Sturm hätten die Engländer die Schlacht gewonnen. Die spanischen Verluste wären erheblich gewesen. Den Spaniern gelingt es, die Flotte zu sammeln und zu formieren. An ein Einlaufen in die Themsemündung ist nicht mehr zu denken. Das Invasionsheer kann nicht mehr eingreifen.

Die Umsegelung Englands

In der Formation der Armada gibt es kaum noch unbeschädigte Schiffe, jedoch viele Verletzte. Die Truppe ist demoralisiert. Die Aussichten sind schlecht. Spanien ist unendlich weit weg, der Fluchtweg durch den Kanal wegen Munitionsmangel und widrige Winde versperrt. Die Invasion wird abgebrochen. Die Engländer treiben die Spanier nach Nordosten in Richtung norwegische Küste in die stürmische Nordsee. Ein weiterer Gegner tritt auf den Plan: die holländischen Schnellsegler und Kanonenboote von Justinus von Nassau, den Seegeusen, überfallen die spanischen Nachzügler, die kaum noch Munition zur Gegenwehr haben.

Am 9. August 1588 wird das Geschwader Lord Seymours zurück zur holländischen Küste beordert, für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Herzog von Parma doch noch seine Invasionsflotte in Marsch setzen würde. Die Engländer brechen die Verfolgung auf der Höhe des Firth of Forth ab. Howard erkennt, dass die Spanier keine Gefahr mehr darstellen.

Die Armada fährt nun die Ostküste Englands hoch zu den Orkney-Inseln bei Schottland. Man erhofft sich auch Unterstützung durch die rebellischen Schotten. Hier jedoch, in den schwierigen Gewässern, beweisen die kleineren, aber wendigeren und kampfstarken englischen Schiffe ihre Überlegenheit.

Irrfahrt

Der Marsch der Armada in ihren Untergang. Eine Irrfahrt

Am Sonnabend, dem 13. August 1588 sieht der spanische Admiral Herzog von Medina Sidonia erstmals keine gegnerischen Segel mehr. Der Zustand der Flotte ist kläglich. Sieben der größten Linienschiffe sind gesunken, die restlichen arg zerschossen. Viele Schiffe können sich nur noch mit Mühe über Wasser halten. Ein Fünftel der Besatzungen ist tot oder kampfunfähig. Die Disziplin ist verloren. Am 9. August 1588, beim letzten großen Aufeinandertreffen der Flotten, werden Befehle des Admirals ignoriert und Positionen in der Schlachtordnung nicht eingenommen. Zwanzig Kapitäne, ein Viertel der noch vorhandenen, verurteilt ein Schnellgericht des Admirals zum Tode. Ein Urteil wird vollstreckt. Die restlichen 19 wandern gefesselt in den Kielraum des Flaggschiffs.

Trinkwasser ist rar. Die an Bord genommenen Pferde und Esel werden verzehrt. Die Tagesration: 200 Gramm Zwieback, ½ Liter Wasser, ¼ Liter Wein. Viele sterben an
Entkräftung und durch mangelnde Hygiene hervorgerufene Krankheiten.

Das Ende

 Die Armada wurde auf dem Weg zurück nach Spanien um die britischen Inseln herum in den nördlichen Stürmen schwer getroffen, einige Schiffe bis vor die Felsen Norwegens geworfen. Allein beim Untergang der Galeasse Girona vor Lacada Point (Nordirland) starben etwa 1.300 Menschen. Eine annähernd gleiche Opferzahl gab es bei der Strandung der drei Schiffe Juliana, Lavia und Santa Maria de Vision vor Streedagh Strand (Irland). Etwa 3.000 Spanier strandeten an der schottischen und vor allem irischen Küste. Weit über 1.000 Schiffbrüchige wurden von Strandräubern und den in Irland stationierten englischen Soldaten ermordet. Einigen gelang es, bei der katholischen und englandfeindlichen irischen Landbevölkerung unterzutauchen.

Der Gesamtverlust der Spanier im Juli und August 1588 belief sich auf 64 Schiffe und mindestens 12.000 Mann. Zwei Wochen tobte ein Sturm. Als er sich legte, befand sich die angeschlagene Armada immer noch jenseits des 58. Breitengrades auf der Höhe Nordenglands. Anderthalb Monate dauerte die Heimreise der geschlagenen Armada. Am 22. September 1588 traf das Flaggschiff San Martin in Santander ein, gefolgt von 66 mehr oder weniger schwer beschädigten Schiffe. Wochen später lief noch ein letztes Schiff ein. Diese 68 Wracks waren alles, was von den 130 als unbesiegbare Armada aufgebrochenen Schiffen übrig blieb.

Der Herzog von Medina Sidonia, der nie das Oberkommando haben wollte, wurde vom König nicht für die Niederlage verantwortlich gemacht. Er diente dem König noch weitere zehn Jahre treu bis zu dessen Tod und darüber hinaus weitere zwölf Jahre der spanischen Krone in hohen Ämtern. Ach die Engländer erlitten schwere Verluste, hauptsächlich durch Krankheiten.. Über 8.000 Seeleute starben an Ruhr und Flecktyphus.

Der weitere Krieg

Die Weltmacht Philipp II. war nicht am Ende, noch nicht. Die Armada wurde im Kampf gegen die Engländer vor allem durch Stürme und ungünstige Winde geschwächt und konnte die geplante Invasion Englands nicht ausführen. Sie unterlag letztlich der moderneren englischen Flotte mit ihren manövrierfähigeren Schiffen und den weiter reichenden Kanonen.

 Die Auswirkungen der spanischen Niederlage waren jedoch nicht so entscheidend, wie häufig behauptet wird. Spanien war geschwächt, aber die Vormachtsstellung ging erst später verloren. Erst nach 1588 wurde systematisch eine Kriegsmarine für den Atlantik aufgebaut. Viele ihrer hochseetauglichen Schiffe wurden nach der Schlacht wieder in spanische Häfen bugsiert. Die Flotte wurde modernisiert und unter gänzlich anderen Gesichtspunkten erweitert. Da setzten allerdings die englischen Neuerungen die Maßstäbe.

 1589 versuchten die Engländer mit ihrer „Armada“ im Gegenzug die Spanier anzugreifen, was jedoch vollständig misslang. Der ursprüngliche Plan war es, die spanische Flotte in Santander und San Sebastian zu attackieren, sie griffen jedoch La Coruna an, wo sie mit schweren Verlusten wieder abziehen mussten. Sie waren auch nicht mehr in der Lage, die spanischen Silberflotten mit Erfolg abzufangen. Ebenso misslang der Versuch, mit Hilfe portugiesischer Aufständischer die Spanier aus Portugal zu vertreiben.

Die spanische Flottenrüstung ging unverändert weiter. Die Flotte wurde um ein vielfaches stärker als vor der Niederlage. Die Spanier verdreifachten ihre Silberausfuhren aus den Kolonien. Auf See besiegten sie die Engländer 1591, 1595 und 1597. Die eigentliche Vernichtung der Armada fand am 25. April 1607 in der Bucht von Gibraltar
statt. Dort wurde in einem Überraschungsangriff eines Flottenverbandes aus den aufständischen Provinzen Holland und Seeland unter der Führung von Jacob van Heemskerk die dort ankernden spanischen Schiffe zerstört. 21 große Kriegsschiffe wurden versenkt, darunter zehn Kriegsgaleonen. Die Holländer selbst hatten nur geringe Verluste; darunter allerdings ihren Befehlshaber. Das war das tatsächliche Ende der Vormachtstellung der Spanier. Der Plan der Holländer ging auf: diese Niederlage machte die Spanier reif für Verhandlungen, die 1609 in den zwölfjährigen Waffenstillstand zwischen Spanien und der jungen Republik der „sieben Provinzen“ – „ de seven Provinzien“ – endeten. Damit begann auch die kurze Zeit der niederländischen Vormachtstellung. Die Vormachtstellung Spaniens als stärkste Landmacht Europas ging nach der Unterzeichnung des Pyrenäenfriedens im Jahr 1659 endgültig an Frankreich über.

England stieg zur Weltmacht auf. Der ersten Kolonie Virginia in Nordamerika (1584) folgten weitere. Eine Vielzahl von spanischen Kolonien konnte erobert werden. England wurde zum Empire. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts konnte England durch die drei englischniederländischen Seekriege und im 18. Jahrhundert durch die Auseinandersetzungen mit Frankreich seine Seemachtposition immer weiter ausbauen. Mit der Schlacht von Trafalgar wurde England 1805 für ein Jahrhundert zur vorherrschenden Seemacht.

Die Dreyling-Kanonen trugen entscheidend zu diesem Wechsel des Machtgefüges in der Welt bei, mit Konsequenzen über Jahrhunderte hinweg. Und vier Feuerwerker auch!

Waffen- und Munitionstechnik

Die Sieben Siegel der Geschützgießerkunst in der Folge sind:

 Die Gewinnung des Erzes (Cu / Sn / Sb), dann die Schmelze, dann die Form, dann der Formbrand, der Schmelzofen, die Metallmischung, und am Ende der Guß.

„Die Geschütze und ihre Geschosse“ / Die acht maximilianischen Geschlechter
„Mit Kunst und Ehre gießt zumal Geschütze hier in großer Zahl – Des Kaisers Faust im Schlachtgewühl – Herr Löffler auf dem Gänsebühl.“ (aus dem 16. Jahrhundert, tradiert)

Geschützname
Geschoßgewicht
Kanone, lat. Canon
100 Pfund
Basilisk
60 Pfund
Singerin
50 Pfund
Nachtigall
40 Pfund
Mörser
>100 Pfund
Kartaune
48 Pfund
Halb- und Viertelkartaune
24 und 12 Pfund
Notschlange
12 Pfund
Falken
10 Pfund
Falkonett
3 Pfund
Scharfentinl
1 Pfund
Feldschlange
30 Pfund

 Aus dem Löfflerlied:
„Die Feldschlang’ ist das feinste Rohr,
wer sie nicht fürcht’, der ist ein Tor,
bei dreißig Pfund die Kugel schwer,
der Guß geheim, den kennt nur Er,
Herr Christof Löffler, Meister hehr,
er schafft dem Kaiser starke Wehr,
Ihm kommt als Gießer keiner gleich,
im weiten Heil’gen Röm’schen Reich!“

Entwurf Feldschlange „Schöne Taube“ / „Löfflerrohr“
(aus dem 16. Jahrhundert, von Hans Christoph Löffler, tradiert)

„Die Form des Rohres bedingt die Schussweite und Durchschlagskraft. Optisch haben wir die Gliederung der Rohre in drei Abschnitten beibehalten: Vorder-, Mittel- und Hinterstück sind klar durch die Verstärkungsbänder erkennbar. Doch jedes Rohr ist konisch gestaltet und gegossen. Schau dir die plumpen Kartaunen von 1520 an. Wie hässlich die Verstärkungen der Mittelstücke heute wirken. Unsere Mittelstücke sind dagegen nur noch durch die Dekorationsgliederung angedeutet. Dafür haben wir den Stoßboden und das Hinterstück verstärkt. Damit können die Pulverladungen größer und reißender sein. Das Rohr wird nicht bersten. Durch das alles ergibt sich zwingend die konische Gestalt, die sich nun ohne stufenweise Verdickung zur Mündung hin verjüngt. Durch die schlanke Form bekommen wir zwangsläufig eine Verlängerung der Rohre, was wiederum bedeutet, dass der Pulverdruck länger auf die Kugeln einwirken kann. …
… Das Meisterstück kann sich sehen lassen: Erhöhung der Durchschlagskraft, treffsicherer und kampfentscheidender. Ganz zu schweigen von der Gewichtsersparnis, was die Beweglichkeit im Feld wesentlich steigert. … Der Tod kommt mit Eleganz daher!„

Ein Löffler’sches Geheimnis

Hatte man bislang beim Giessen von Bronzerohren einen Abgang (Verlust) von 60 % an Metallen, so hatte sein neues Verfahren nur noch einen Abgang von 5 %. Bedenkt man nun die Preise ( bei einer Abnahme von 500 Zentner Kupfer kostete ein Zentner Kupfer 11 Gulden, 30 Kreuzer), so konnte Löffler in ganz anderen Dimensionen kalkulieren. Zum vergleich: das Jahresgehalt eines Handwerkmeisters betrug damals zehn bis zwölf Gulden! Hinzu kam auch das von ihm entwickelte Mischungsverhältnis: die Löffler-Bronze bestand aus 87 % Kupfer Cu, 11 % Zinn Sn, 2 % Antimon Sb. Der Zuschlagstoff Antimon gab der Löfflerbronze ihre spezielle Güte.

Eisenrohre

Die Eisenschmelze wurde zu schnell hart und starr. Die Hälfte der Schmelze blieb im Ofen und den Zulaufrinnen hängen, bevor sie die Formengruben erreichte, und was den Abgang noch mehr vergrößerte. Das Material (Eisen Fe) war spröde. Mit Masse konnte man dem entgegenwirken, aber die größeren Geschütze wurden dann gegenüber den Bronzerohren viel zu schwer. Das Verhältnis Gewicht zu Kaliber wurde mit höherem Kaliber immer ungünstiger. Das auf den Schiffen mitgeführte Rostschutzmittel Oleum tartari machte genauso viel Gewicht aus wie das Gewicht der mitgeführten Kugeln. Die Eisenrohre bestehen aus zusammengelöteten geschmiedeten Eisenbändern. Sie vertragen weniger Pulver. Die Rohrseele ist längst nicht so gleichmäßig wie bei den gegossenen und gebohrten Geschützen. Auch der deutsche Feuerwerker Josef Furttenbach, ein Admiral im Dienste des Andrea Doria von Genua, bemängelt, dass aus Sparsamkeit immer noch Eisenrohre in der genuesischen und venezianischen Flotte verwendet werden.

Die Kampfbeladung und Bewaffnung

Die Spanier rechneten mit 25 Salven pro Gefechtstag = drei Schuss pro Stunde, denn gekämpft wurde in der Regel bei Tageslicht. Aufgrund ihrer Taktik (Anschiessen und Entern) betrug die Kampfbeladung pro Rohr 45 Schuss. Die Feuergeschwindigkeit der englischen Schiffe war drei mal größer, und die Taktik lag im Distanzgefecht (Vernichten durch Schiessen, nicht Entern). Jedoch konnten die kleineren englischen Schiffe nicht so viel Munition mitführen. Die Kampfbeladung reichte für einen Drittel Tag. Die spanischen Schiffe hatten mehr als acht unterschiedliche Kalibertypen und noch mehr Geschütztypen an Bord. Die englischen Galeonen beschränkten sich auf fünf Kanonentypen, wobei der Schwerpunkt bei den Feldschlangen lag. Das vereinfachte die Versorgung.

An Munition gab es:

  • Eisenkugeln: hohe Durchschlagskraft, genaue Flugbahn
  • Steinkugeln: geringe Durchschlagskraft, ungenaue Flugbahn, hohe Splitterwirkung
  • Bomben: mit Leim und Pech gehärtete Säcke, gefüllt mit Pulver, Blei, Eisen und Lunten zur Zündung
  • Ketten / Kettenkugeln; mit Scheren: für die Takelage

Literatur zur Herstellung von Geschützen und Munition im 16.
Jahrhundert

Für die Erzverhüttung war „Ein nutzlich Bergbuchleyn“ des Freiburger Stadtphysikus und Bürgermeisters Ulrich Rühlein von Calw aus dem 15. Jahrhundert sehr maßgebend. Im Jahr 1524 kam das „Probierbüchlein“ hinzu, welches sich mit Mischungsverhältnissen beschäftigte. Vannoccio Biringuccio veröffentlichte 1540 „De la Pirotechnia“. Sehr wichtig und in ganz Europa gelesen war ein Werk des Chemnitzer Stadtarztes und Bürgermeisters Georg Bauer, lat. Georgii Agricolae: „Bermannus sive de Re Metallica“, kurz „De Re Metallica“. Diese Buch wurde sogar von dem Jesuiten Adam Schall von Bell im 17. Jahrhundert ins Mandarin-Chinesische übersetzt. Davon erschienen über die Jahrzehnte insgesamt zwölf Auflagen!

 Literatur zum Aufsatz

  • Garrett Mattingly: „Die Armada. Sieben Tage machen Weltgeschichte.“, Piper, München
  • János Erdödy: „Wachablösung auf dem Ozean“, Druckerei Zrínyí, Budapest
  • Helmut Schnitter: „Von Salamis bis Dien Bien Phu“, Verlag Neues Leben, Berlin
  • Martin & Parker: „The Spanish Armada“, Folio Society, London 2002
  • Neil Hanson: „The Confident Hope Of A Miracle“, Corgi Books, 2004
  • Heinrich Stettner: „Der Armadazug von 1588“, Deutsches Schiffahrtsarchiv, Bd. 10, 1987
  • Janusz Meissner: Trilogie „Die schwarze Flagge; Die roten Kreuze; Das Grüne Tor“, antiquarisch
  • Rudolf Muschalla: „Zur Vorgeschichte der technischen Normung“, Beuth-Verlag, 1992
  • Thomas Meyer: „Bogen, Armbrust, Hakenbüchse. Entwicklung und Technik der Fernwaffen des Mittelalters.“, Books on Demand, Norderstedt 2009
  • Erich Egg: „Der Tiroler Geschützguss 1400 – 1600“, Wagner, Innsbruck 1961

Dr. Lothar Schimmelpfennig
Im März 2013

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